22.06.2026
Heute, am 22. Juni, protestieren keine Berufsgruppen, sondern die Kommunen. Am ersten bundesweiten Aktionstag „KOMMUNEN AM LIMIT“ beteiligen sich die Prignitzer Kommunen und der Landkreis Prignitz.
Damit wollen die
Städte und Gemeinden sowie die Kreise auf ihre prekäre Finanzsituation
aufmerksam machen. „Wir
fordern Bund und Länder auf, endlich wirksam gegenzusteuern“, sagen der
Prignitzer Landrat Christian Müller und die Bürgermeister sowie Amtsdirektoren.
Auch bei uns in der Prignitz gelingt es kaum noch oder gar nicht einen
ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Zunehmend bestimmen Haushaltssperren und
Haushaltssicherungskonzepte die Arbeit. Das bedeutet, dass wir immer weniger
investieren und finanzieren können, notwendige Reparatur- und
Sanierungsmaßnahmen können ebenso wenig durchgeführt werden wie
Neuanschaffungen. Viele geplante Maßnahmen müssen dadurch verschoben oder sogar
ganz gestrichen werden. Wenn Bund und Land das nicht in ausreichendem
Maße machen, werden die Bürger die Folgen spüren. Dann drohen schmerzhafte
Einschnitte in vielen Bereichen:
Schwimmbäder, Bibliotheken, Krankenhäuser, Musikschulen, Kindergärten,
um nur einige Beispiele zu nennen.
Wir als Verantwortliche in den Städten und Gemeinden wollen aber, dass das
Leben in unseren Kommunen lebenswert bleibt. Das heißt, wir wollen die
sogenannten „freiwilligen Aufgaben“ nicht abbauen oder streichen. „Wir wollen
auch in Zukunft Bibliotheken, Museen, kulturelle Einrichtungen sowie
Jugendfreizeitstätten vorhalten. Wir wollen unsere Schulen und
Kindertagesstätten modern ausstatten und diese so einrichten, dass sich Lehrer,
Erzieher, Schüler und Kita-Kinder hier wohlfühlen, gern unsere Einrichtungen
besuchen“, sagen die Kommunen und der Landkreis.
Ursache der Krise ist nicht mangelnder Sparwille der Kommunen. Bund und Länder beschließen Aufgaben,
Standards und Leistungsansprüche, sorgen aber vielfach nicht dauerhaft und
dynamisch für die notwendige Finanzierung. Das kann auf Dauer nicht
funktionieren. Dadurch summierten sich in den vergangenen Jahren die
Belastungen für die kommunalen Haushalte. Wir arbeiten schon jetzt an der
Grenze unserer Leistungsfähigkeit.
Eine besondere Belastung aus Sicht des Landkreises sind die Transferausgaben.
Darunter fallen beispielsweise soziale Leistungen, diese machen den mit Abstand
größten Anteil der Transferausgaben aus. "Gab der Landkreis im Jahr 2024
noch rund 125 Millionen Euro für Transferleistungen aus, sind für das laufende
Jahr bereits 144 Millionen prognostiziert", sagt Kämmerer Daniel
Krause-Pongratz. In der Prognose steigen sie bis zum Jahr 2030 auf 172
Millionen Euro. „Geld, das an anderer Stelle fehlt, wenn wir dafür keine
Kompensationen erhalten“, so Krause-Pongratz.
Deshalb haben sich auch die Prignitzer Kommunen zusammen mit dem
Landkreis entschieden, gemeinsam am heutigen Aktionstag „KOMMUNEN AM LIMIT“ ihren Protest laut und
kompakt in Richtung Bundesregierung und Landesregierung zu adressieren. Wir fordern, dass auf diesen höheren
Ebenen der Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt!“ auch endlich in der Politik
Anwendung findet. Das Konnexitätsprinzip muss endlich konsequent umgesetzt
werden. Das bedeutet, wenn Bund oder Land uns als Kommunen eine neue,
kostenintensive Aufgabe überträgt, so müssen sie auch den finanziellen
Ausgleich dafür schaffen.
Die Bürger leben bei uns, in den Städten und Gemeinden der Prignitz. Diese wollen wir für sie auch in Zukunft lebenswert gestalten und nicht nur den Mangel verwalten.
© Landkreis Prignitz
